
Mantracking
Das suchen nach vermissten Personen.
Sei wissbegierig, genau, ehrlich zu Dir selbst und den anderen Teammitgliedern gegenüber, ausdauernd, analytisch und arbeite mit einem logischen und systematischen Ansatz.
Sei dir deines physischen und psychischen Zustands bewusst.
Auszug aus "Mantracking FLASHCARDS" by Kyt Lyn Walken `24
Wenn von „Mantracking“ gesprochen wird geht es um das visuelle Fährtenlesen. Im Gegensatz zum allg. benutzten Begriff des „Mantrailing“ welcher bei Hundesuchstaffeln eingesetzt wird.
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Bei der Fährtenarbeit geht es nach Ansicht von Tom Brown Jr. darum, einer Spur oder einer Fährte visuell zu folgen. Das heißt, wir folgen einer Spur auf der Grundlage dessen, was wir sehen.
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Ganz im Gegensatz zu Hunden, die einer Fährte nur aufgrund von Gerüchen folgen. Um die richtige Spur zu bestätigen nutzen wir natürlich auch alle anderen Sinne die uns zur Verfügung stehen.
Die Schwierigkeit beim visuellen Fährtenlesen ist, dass es um vermisste Personen geht und somit gibt es nur sehr wenig Raum für Fehlinterpretation.
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Wenn ich beispielsweise als Jäger in einer alten Kultur unterwegs war und ich die Spur meines Rehs mit einer anderen Rehspur verwechselt habe, so komme ich am Ende des Tages dennoch mit der nötigen Nahrung nach Hause. Ob es nun das selbe Tier war das ich von Anfang an verfolgt habe spielt dabei eine Nebenrolle.
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Der Fokus beim Jagen oder Wildtiermonitoring liegt hier also etwas anders.
Es geht nicht nur darum, was wir sehen, sondern auch darum, wie und wohin wir schauen, wenn wir Spuren finden wollen.
Wer die hohe Kunst und Wissenschaft des Fährtenlesens lernen möchte stellt schnell fest, dass er durch die verschiedenen Phasen durchgeht die alle Tracker vor ihm schon durchlaufen haben.
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Die Erste ist die "Ich sehe gar nichts" Phase.
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Die Zweite ist die "Ich sehe überall Spuren" Phase.
Die Phasen die danach kommen sind die schwierigen, denn nun werden Spuren erkannt und die Arbeit beginnt erst. Es geht darum nun alle Spuren die gesehen werden zu identifizieren und zu interpretieren, Geschichten zu lesen und zu bestätigen. Dann beginnt die Arbeit des Trackers.
Vermisstensuche mit oder ohne Hunde?

Mantracker können entweder autark, ohne den Einsatz von Rettungshunden arbeiten und eine Such- und Rettungsmission durchführen. Aber auch in der Kombination, also im verbundenen Einsatz mit Rettungshunden ihre Fähigkeiten zum Einsatz bringen. Das ist z.B. dann notwendig oder sinnvoll, wenn keine oder nicht genügend Rettungshunde zur Verfügung stehen oder der Einsatz der Hunde aufgrund von Umgebungsbedingungen wie Gelände oder Witterung nicht eingesetzt werden können.
Dabei ist es möglich, dass der Mantracker "in Führung" geht. In diesem Szenario kommen Hunde zum Einsatz, sobald dies technisch möglich und taktisch sinnvoll ist.
Anders herum kann auch das Rettungshundeteam die Führung übernehmen.
Mantracker begleiten dann das Rettungshundeteam und bestätigen die Richtung anhand von Spuren, die diese erkennen und der gesuchten Person zuordnen können. Sie dokumentieren unsere Funde mit Fotos und Geoinformationen, lassen diese ansonsten aber unangetastet.
Textauszüge teilweise von Mantracker Germany Search and Rescue e.V.
Die ideale Tracker Mentalität besteht aus:
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- Aufmerksamkeit
- Wachsamkeit
- Durchhaltevermögen
- Wissbegierde
- Kreativität
- Unvoreingenommenheit
REGELN DES SPURENSUCHE
Nicht in die Spur reinlaufen.
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Markiere die letzte bestätigte Spur, wenn Du weitere Spuren suchst.
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Behalte die Spur zwischen Dir und der Lichtquelle.
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Versetze Dich in die Denkweise der vermissten Person.
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Ziehe keine voreiligen Schlüsse.

Nach was hält man Ausschau:
Abdrücke auf dem Boden/ in Löchern
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- Fuß-/Schuhabdrücke
Spuren im Bodenbereich
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- heruntergetretene Vegetation
- zerstörte, zusammegedrückte, herumgedrehte, feuchte oder
trockene Blätter (je nach Witterung)
- gebrochene Äste
- Übertragungen von Fremdmaterialien (Sand, Kies, Moos,
Matsch etc.)
- zurückgelassener Müll (Zigarettenkippe, -schachtel, Flaschen)
- verlassene Feuerstelle
Spuren oberhalb des Bodens, ab Knöchelhöhe:
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- zerstörte Spinnweben
- gebrochenes/abgeknicktes Astwerk
- abgerissene Blätter (auch und gerade in Stufe 2)
- Blutspuren
- Stoffreste von Kleidung


Wo sollte man suchen - In der Nähe zum Wasser:
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- sichtbare Schuh-/ Fußabdrücke auf trockenen Boden
wie z.B. Steinen, Kiesbett, Teer/Asphalt
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- meist tiefe und deutlich sichtbare Abdrücke die im
Matsch/Schlamm an Ufernähe oder in der Nähe von
Pfützen, schlammigen Untergrund hinterlassen wurden.
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Wo finde ich Spuren - leichter Untergrund:
(sog. Track Traps = Spurenfalle)
Arten von Untergrund/Boden auf dem man Spuren leicht verfolgen kann:



Matsch/Schlamm Sand Schnee
Wo finde ich Spuren - schwieriger Untergrund:
Arten von Oberflächen, auf denen das Muster eines Fußabdrucks nur schwer - oder gar nicht - zu erkennen ist:
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Bei Laub kann man mittles "Picktracking" das Laub vorsichtig entfernen und damit die Spur freilegen.



Trockenes Laub Kies, Schotter Asphalt



Steine/Fels Trockenes Gras Kopfsteinpflaster

Grid & Dustcompression ( Staub lesen )
ausgetrockneter Boden
Wiederholung der Stufen in denen man sucht:
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Stufe 3: oberhalb Bodenhöhe
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Stufe 2: in Bodenhöhe
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Stufe 1: auf dem Boden
Auf was man achtet - Störungen der BASELINE:


Muster Außenlinien



beschädigte Spinnennetze Regenwurmaufhäufungen heruntergetretenes Gras/Pflanzen


verschobene/umgedrehte Steine abgerissene, am Boden liegende
(sichtbare Feuchtigkeit) Vegetation (umgedrehte Blätter,
abgeknickte Blätter, fehlener Tau)


abgebrochene/umgeknickte Äste fehlender Tau


zurückgelassener Müll, Stoffreste an Vegation
(u.a. Zigarettenkippen, Getränkeflaschen)
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veränderte Vegetation


Blut o. Hautpartikel, Haare Betriebsstoffe wie Öl o.
Kraftstoff
Veränderungen der natürlichen Umgebung:
​Suche nach Hinweisen auf eine Veränderung der regelmäßigen Merkmale des Gebiets in Bezug auf Boden, Flora (Vegetation) und Verhalten der Fauna (Tierwelt).
Setzen alle Sinne ein, außer dem Geschmackssinn.
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Achte auf Veränderungen der Baseline.
Outdoor - der Boden/Untergrund:
Suche nach:
Vollständigen oder teilweisen Spuren auf dem Boden
Unregelmäßigkeiten ( Störungen der Baseline in der Natur )
auffälligen Farbveränderungen am Boden (z.B. Blut)
Übertragung von festem/flüssigem Material ( Transfer/Carryover ): Kies, Sand, Matsch, Erde, Moos, Blätter die nicht in die natürliche Baseline passen.
Outdoor - die Vegetation:
Suche nach:
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Heruntergetretene/plattgedrückte Vegetation (Moos, Gras etc.)
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Abflachungen/Druckstellen in der Vegetation
umgedrehte und/oder zerstörte Blätter
Spuren, Kratzer
abgebrochene Dornen, geknickte, umgestürzte oder abgeschnittene Vegetation

Outdoor - Veränderungen der Vegetation:
Suche nach:
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Vegetation die unnatürlich aufgehäuft, geschichtet wurde
Unnatürliche Lage von Blättern (umgedreht o. an anderer Stelle etc.), Zweigen, Tannennadeln
Verrutschte oder zerbrochene Kieselsteine und Felsen
Gebrochene Zweige
Übertragung
Die Anfangs-/Ausschilderungsphase:
Suche nach:
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Lege den PLS (Point Last Seen) auf der Karte genau fest (Koordinaten ermitteln u.übertragen).
befahre das Gebiet nicht mit Fahrzeugen, um Verunreinigungen zu vermeiden.
Berücksichtigen Sie einen Bereich von 360°.
Ziehe keine voreiligen Schlüsse und bleibe stets unvoreingenommen.
Suchen nach Hinweisen (vollständige oder teilweise Spuren und Zeichen) die
POSITIV zu der gesuchten Person identifiziert wurden.
Wenn ein bestätigendes Zeichen gefunden ist, markiere es, mache Dir Fotos oder skizziere diese.
Anschließend die Spur(en) (Lock/Locked) sichern, in dem Du diese mit Trackingsticks markierst.
Gehen Sie auf der Fährte systematisch vor und halten Sie ständige Kommunikation mit dem Team.
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Der PLS ( Point Last Seen ) ist oft gleichzeitig auch die TD-AREA ( Total Destroy-Area ). Denn an diesem Punkt haben oft schon Angehörige oder Suchmannschaften so viele Spuren hinterlassen, dass es an diesem Punkt so gut wie unmöglich ist, noch Spuren der vermissten Person zuzuordnen. Somit ist dieser Ort für eine Suche als Ausgangspunkt zerstört -> TD-AREA ​
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Es macht Sinn die TD-AREA mittels Signcutting/Crosstracking zu umgehen, um die Spur des Vermissten aufzunehmen. Hat man die Spur gefunden, so wird diese markiert und mit den Worten Lock oder Locked ans Team weitergegeben.
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Hat man die Spur des Gesuchten gefunden wird ein sog. Such-Vektor zur weiteren Spurensuche bestimmt.​
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Ein weiterer wichtiger Begriff im Mantracking ist der LkP ( Last known Point / letzte bestätigte Spur ).
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Die Suche geht immer vom Last known Point weiter. Von hier wird der oben genannte Such-Vektort festgelegt und dann das Mantracking gestartet.



Bild
Kojote-Akademie
Bild
Kojote-Akademie
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Kojote-Akademie
Auf der Trackline/Spur:

Bevor Du weitergehst, WARTE und PRÜFE, ob sich direkt vor Dir ein möglicher Anhaltspunkt befindet.
Gehe niemals auf der Spurlinie, der Du folgst.
Wenn du dich vergewissert hast, dass es keine Hinweise gibt, nutze markante Wurzeln, Felsen, Zäune oder andere erhöhte Punkte, von denen aus du eine bessere Sicht auf die mittlere/lange Strecke hast.
Wenn du die Spur aus den Augen verloren hast:
Verlege Deine Suche mit Logik und ohne wertvolle Zeit zu verlieren.
Markiere die letzte bekannte Spur ( LkP = Last known Point ) und identifiziere einen Bereich von 180° vor Dir, indem Du natürliche Orientierungspunkte (Bäume, Zäune...) verwendest.
Wenn das Gelände/die Vegetation schwer zu entziffern ist, suche nach Hinweisen am Rande des Geländes.
Wenn Du im Umkreis keine Hinweise findest, bedeutet dies, dass sich die Zielperson irgendwo innerhalb eines schwierig lesbaren Gebiet befindet.
Gehe systematisch vor, indem Du nach Anzeichen suchst, die Dich in die Richtung der Zielperson führen.
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Annäherung an den Track/die Spur - Indoor:
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Achten beim Betreten eines Innenbereichs darauf, einen dunklen Raum zu schaffen, indem Du alle Vorhänge schließt und alle Lichter ausschaltest.
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Bleibe in Bodennähe und bewege Dich vorsichtig, vorsichtig und langsam eine Taschenlampe (vorzugsweise 1000 Lumen und weiße Farbe, da diese am neutralsten ist).




Hier die Sichtbarkeit einer Spur in einer mehrfarbigen Taschenlampe.

Was bei Nighttracking auch sehr hilfreich ist, wenn man eine Sonnenbrille mit orangenen Gläsern hat.
Orangene Gläser lassen die Umgebung heller erscheinen und werden häufig bei schlechten Lichtverhältnissen verwendet . Diese Tönungen blockieren blaues Licht und verbessern Kontrast und Tiefenwahrnehmung. Darum sind diese beim Einsatz im dunklen mit mehrfarbigen Taschenlampen sehr gut geeignet.

Es sollte möglich sein, vollständige und/oder teilweise Spuren „durch Staubentfernung“ festzustellen.
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Wenn Deine Taschenlampe mit verschiedenen Farben ausgestattet ist, verwenden alle, um zu sehen, ob diese evtl. mehr Details aufzeigen.
Sichere die gefundenen Spuren und Hinweise, dokumentiere diese mit Fotos und setze, falls verfügbar, einen elektrostatischen Staubheber ein.
Machen bei einem Transfer von Fremdmaterialien Fotos vom Material und sichere dieses, wenn möglich in den Dir zur Verfügung stehenden Behältnissen.
Identifiziere und fotografiere alle anderen möglichen Anzeichen, wie Falten auf Teppichen, Kratzer etc., Fußabdrücke auf Fließen, Laminat usw.
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Wenn möglich fertige eine Skizze bei vorhandenen Schuhabdrücken an. So kann man das Profil einer bestimmten Schuhart zuordnen und den Abdruck mit weiteren Abdrücken abgleichen.
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(Probenbehälter, hier z.B. in Form eines Urinprobenbechers)


erstellt durch Kojote-Akademie
by The way of Tracking – HULL's TRACKING SCHOOL – EUROPE and U.S.
Fragen sind der Schlüssel:
Sei konzentriert und detailliert, wenn Du Verwandten und Freunden der Zielperson Fragen stellst.
Dadurch erhalten ein besseres Verständnis für sein/ihr potenzielles Verhalten (Tendenzen, Gewohnheiten, Hintergrund, Medikamente, Vorerkrankungen, Routinen usw.).
Sei Dir bewusst, welche Verhaltensmusters der Vermisste an den Tag legt oder von welchen er durch die veränderete Situation auch abweichen kann.
Wenn man den Vermissten gefunden hat:
EIGENSCHUTZ BEACHTEN ! Vermisste können je nach erlebten und Dauer des vermisst seins paradox reagieren.
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Gehen vorsichtig, behutsam und einfühlsam vor.​​
Seien Sie sich bewusst, dass einige psychische Erkrankungen zu aggressivem Verhalten führen können
In einigen Fällen könnten die von den Angehörigen gemachten Angaben dazu führen, dass das Verschwinden als möglicher Selbstmordversuch behandelt werden muss.
Combat Tracking:
Tracking unter taktischen Bedingungen
Combat Tracking (militärisches Spurenlesen) ist eine
taktische Fähigkeit, bei der Soldaten feindliche Kräfte anhand von Spuren im Gelände aufspüren und verfolgen. Es dient der Aufklärung, Feindverfolgung und Erhöhung der eigenen Sicherheit durch das Erkennen von Hinweisen (wie Fußabdrücke, gebrochene Zweige).
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Combat Tracking wird auch bei der Fahndung nach flüchtigen Straftätern angewendet.
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Hier gilt es auf jeden Fall immer an den EIGENSCHUTZ ZU DENKEN !