

Europäische Wildkatze
Felis silvestris silvestris


Lange waren sie aus unseren heimischen Wäldern verschwunden. Seit einigen Jahren erobern Wildkatzen ihren ursprünglichen Lebensraum wieder zurück.
Oft heimlich und unbemerkt siedeln sie sich wieder an.
SELTEN ABER WEIT VERBREITET
Dass diese seltene Tierart in Deutschland vorkommt, ist kein Geheimnis mehr. Sie ist in den letzten Jahrzehnten langsam und unbeobachtet von uns Menschen, in ihren ursprünglichen Lebensraum zurückgekehrt. Aus historischen Aufzeichnungen, mündlichen Überlieferungen und fossilen Funden weiß man, dass die Wildkatze schon immer in Deutschland heimisch war.
Die ältesten Funde der Wildkatze in Mitteleuropa sind ca. 300.000 bis 500.000 Jahre alt.
Damals waren sie in fast komplett Europa verbreitet. Lediglich in Skandinavien, Irland und dem nördlichen Russland war sie nicht zu finden.
Heute leben die Wildkatzen scheu und vor uns verborgen in den zusammenhängenden Wäldern unserer größten Mittelgebirge.
Sie fühlen sich inmitten eines abwechslungsreichen Mosaiks von Wald, Offenland, tiefen Tälern und steilen Felshängen wohl. Die bedeutenste Wildkatzenpopulation befindet sich aktuell im Westen Deutschlands.
Die Eifel, der Hunsrück und der Pfälzer Wald bilden in Verbindung mit den Vorkommen in Frankreich, Luxemburg und Belgien die größten mitteleuropäischen Verbreitungsgebiete dar, denen eine besondere Bedeutung für den Wildkatzenschutz zukommt.
Aber auch im Harz und den umliegenden Mittelgebirgen gibt es große Wildkatzenpoulationen. Hinzu kommt, dass einige dieser Waldgebiete ausgewiesene Nationalparks sind und auch Wildkatzen davon profitieren, dass diese Flächen nicht mehr bewirtschaftet werden.
In den Wäldern des größten Nationalparks im Harz trifft man Luchs und Wildkatze, die beiden seltenen heimischen Katzenarten, sogar zusammen an.
Und auch in Bayern findet man wieder Wildkatzenbestände. Diesen wurde durch ein Auswilderungsprogramm in den 90er Jahren ein wenig nachgeholfen.
Heute breitet sich die Wildkatze in alle Himmelsrichtung aus und ist in fast allen Bundesländern wieder zu finden, und dies nicht nur in ausgedehnten Wäldern, sondern mehr und mehr auch in kleineren Waldgebieten und sogar in Kulturlandschaften.
Leider kommt die Wildkatze trotz einer positiven Geburtenrate, nur in circa einem Zehntel ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes vor. Dies ist meist der Nutzung der Natur durch uns Menschen geschuldet. Dicht besiedelte Dörfer und Städte, ein enges Straßennetz und Landwirtschaftswüsten machen Wildkatzen das Leben und somit ihre Rückkehr zunehmend schwer.

Ein scheuer Waldbewohner kehr zurück in seine Heimat:
VON WALDGEISTERN, BAUMREITERN UND SCHÄDLICHEN FORSTINSEKTEN
Die Wildkatzen hatten im 18. und 19. Jahrhundert in der Bevölkerung keinen guten Ruf.
Oskar von Riesenthal (1830–1898), ein deutscher Forstmann und Jagdschriftsteller erwähnte in seinem Jagdlexikon von 1880 die Wildkatze mit den Worten: "Auch daß sie noch unbeholfene Hirschkälbchen würgt, steht außer Zweifel... Wahrhaft furchtbar scharf äugend und vernehmend ... unhörbar schleichend und gewandt kletternd... verödet sie die Wildbahn.
In einem Buch von 1856 ist die Rede davon, daß die Wildkatze für die Tötung von Hirschen und Rehen und sogar von Menschen verantwortlich sei.
Die Wildkatze wurde damals als deutlich größer und kräftiger als die Hauskatze, mit starkem Gebiss, dichter Behaarung und besonders buschigem, geringeltem Schwanz beschrieben. Brehm schrieb etwa, eine erwachsene Wildkatze erreiche ungefähr die Größe eines Fuchses und sei etwa ein Drittel größer als eine Hauskatze.
Besonders interessant ist, wie anders die Wildkatze damals bewertet wurde: Jagdautoren betrachteten sie häufig als „Raubzeug“ bzw. Feind des Wildbestands. Ihr wurden Hasen, Kaninchen, Vögel und sogar Rehkitze als Beute zugeschrieben.
Eine historische jagdzoologische Quelle beschreibt sie ausdrücklich als besonders schädlich für den Wildbestand.
Auch ihre vermeintliche Gefährlichkeit wurde stark hervorgehoben. Franz von Kobell beschrieb sie beispielsweise als ausgesprochen wehrhaft und behauptete, eine angeschossene oder bedrängte Wildkatze könne sich heftig gegen Hunde und sogar gegen einen Jäger verteidigen. Solche Texte spiegeln allerdings die jagdliche Sichtweise des 19. Jahrhunderts wider und sollten nicht als heutige zoologische Einschätzung übernommen werden.
1859 beschreibt Kobell die Wildkatze in Kobells Wildanger – Skizzen aus dem Gebiet der Jagd und ihrer Geschichte mit einer Wortwahl, welche die damalige Einstellung zur Wildkatze verdeutlicht:„Dieses scheue Thier mit seinen falschen funkelnden Lichtern ist eine der boshaftesten Bestien“

Ein weiterer Auszug aus dem Buch zeigt, wie gefährlich die Wildkatze damals dargestellt wurde:
"Wie sich der Wolf zum Fuchs verhält, so verhält sich der Luchs zur Wildkatze (Felis catus). Dieses scheue Thier mit seinen falschen funkelnden Lichtern ist eine der boshaftesten Bestien, die man in einem Jagdgehege finden kann, und macht es im Verhältniß seiner Größe dem Luchs ganz gleich. Kein Vogel, kein Hase oder Rehkitz ist vor der Wildkatze sicher, sie probirt es sogar, ein Wildkalb zu würgen, und dazu das lautlose Schleichen und Birschen und die blitzschnellen Sprünge und das Lauern in ebenem Grunde wie vom Baum, daß sich wohl ein Fuchs über die mancherlei Bevorzugung ärgern mag, die ihr zu Theil geworden, wenn er gerade Gelegenheit hat, zuzusehen. Und wird sie beim Jagen in die Enge getrieben, oder wenn sie angeschossen, so rauft sie in unbändiger Wuth mit den Hunden oder fällt auch den Jäger an und verwundet mit gefährlichem Beißen und Reißen. Hohberg erzählt sogar einen Fall, wo eine Wildkatze, die sich mit seinem Hund verbissen, und die er mit dem Degen durchstochen, sich »also durchstochener mit so großer Furi« an der Klinge nach seiner Hand emporschwang, daß er den Degen loslassen mußte."
Wie unbeliebt die Wildkatzen waren zeigt ein weiterer Bericht von Kobell über deren Bejagung im Schwarzwald:
Kobell schreibt über den Bereich zwischen Freiburg und Offenburg:
„Nach einer verlässigen Mittheilung hat im heurigen Winter (1858) dort ein Jäger nicht weniger als 28 Wildkatzen geschossen.“
Hier eine kleine Zeitleiste, die zeigt, wie sich die Wildkatze in der Zeit gewandelt hat:
1777 – Schreber:
Die Wildkatze wird als Felis silvestris wissenschaftlich beschrieben.↓
1771/1781 – Pennant:
Wildkatzen werden als außergewöhnlich groß und kräftig dargestellt.↓
1859 – Kobell:
Die Wildkatze gilt dem Jäger als gefährliches und schädliches Raubtier.↓
1876 – Brehm:
Eine detailliertere naturkundliche Beschreibung von Körperbau und Lebensweise entsteht.↓
1882 – Riesenthal:
Jäger beschäftigen sich detailliert mit ihren Spuren und Fährten.↓
Heute:
Die Europäische Wildkatze ist in Deutschland streng geschützt und ihre ökologische Bedeutung wird völlig anders bewertet.
In "Brehm`s Tierleben: Die Säugethiere 1 wird die Wildkatze so beschrieben:
Mit Eintritt der Dämmerung tritt die Wildkatze ihre Jagdzüge an. Ausgerüstet mit trefflichen Sinnen, vorsichtig und listig, unhörbar sich anschleichend und geduldig lauernd, wird sie kleinerem und mittelgroßem Gethier sehr gefährlich. »Im scharfen Aeugen selbst bei Nacht, zu welcher Zeit ihre Seher wie brennende Kohlen funkeln«, sagt Dietrich aus dem Winckell, »in ebenso scharfen Wittern (-) und im höchst leisen Vernehmen wird sie von keinem Thiere übertroffen«, im unbemerklichen Anschleichen, beharrlichen Auflauern und sicheren Springen, füge ich hinzu, gewiß auch nicht. »Wer kennt nicht«, so drückt sich entrüstet Winckell aus, »das spitzbübische Schleichen der zahmen Katze, wenn es ihr darauf ankommt, ein armes Vögelchen zu erhaschen? Genau ebenso benimmt sich auch die Wildkatze«, wenn sie auf Beute ausgeht.
Im Verhältnisse zu ihrer Größe ist die Wildkatze überhaupt ein gefährliches Raubthier, zumal sie den Blutdurst der meisten ihrer Gattungsverwandten theilen und mehr Thiere, als sie verzehren kann, tödten soll. Aus diesem Grunde wird sie von den Jägern grimmig gehaßt und unerbittlich verfolgt; denn kein Weidmann rechnet den Nutzen, welchen sie durch Vertilgung von Mäusen bringt, ihr zu Gute. Wie viele von diesen schädlichen Thieren sie vernichten mag, geht aus einer Angabe Tschudi's hervor, welcher berichtet, daß man in dem Magen einer Wildkatze die Ueberreste von 26 Mäusen gefunden hat.
Die Losung, welche Zelebor vor den von Wildkatzen bewohnten Bauen sammelte und untersuchte, enthielt größtentheils Knochenüberreste und Haare von Marder, Iltis, Hermelin und Wiesel, Hamster, Ratte, Wasser-, Feld- und Waldmäusen, Spitzmäusen und einige unbedeutende Reste von Eichhörnchen und Waldvögeln. Kleine Säugethiere also bilden den Haupttheil der Beute unseres Raubthieres, und da unter diesen die Mäuse häufiger sind als alle übrigen, erscheint es sehr fraglich, ob der Schaden, welchen die Wildkatze verursacht, wirklich größer ist als der Nutzen, welchen sie bringt.
Die Jagd der Wildkatze wird überall mit einer gewissen Leidenschaft betrieben; handelt es sich doch darum, ein dem Weidmann ungemein verhaßtes und dem Wilde schädliches Raubthier zu erbeuten. Bei uns zu Lande erlegt man sie gewöhnlich auf Treibjagden. Im Winter, nach einer Reue, wird sie abgespürt, bis zum Baue oder einem Baume verfolgt, mit Hülfe des Hundes ausgetrieben oder festgemacht und dann erlegt;
Verwundete Wildkatzen können, wenn man sie in die Enge treibt, sehr gefährlich werden. »Nimm dich wohl in Acht, Schütze«, so schildert Tschudi, »und faß die Bestie genau aufs Korn! Ist sie bloß angeschossen, so fährt sie schnaubend und schäumend auf, mit hochgekrümmtem Rücken und gehobenem Schwanze naht sie zischend dem Jäger, setzt sich wüthend zur Wehr und springt auf den Menschen los; ihre spitzen Krallen haut sie fest in das Fleisch, besonders in die Brust, daß man sie fast nicht losreißen kann, und solche Wunden heilen sehr schwer. Die Hunde fürchtet sie so wenig, daß sie, ehe sie den Jäger gewahrt, oft freiwillig vom Baume herunter kommt; es setzt dann fürchterliche Kämpfe ab. Die wüthende Katze haut mit ihrer Kralle oft Risse, zielt gern nach den Augen des Hundes und vertheidigt sich mit der hartnäckigsten Wuth, solange noch ein Funke ihres höchst zähen Lebens in ihr ist.

Unsere heutige Hauskatze wie wir sie kennen, wird deutlich harmloser dargestellt und ist da deutlich beliebter. Sie stammt ja auch nicht von der Wildkatze ab, wie viele es sagen.
Sie ist ein domestizierter Nachfahre der Afrikanischen Fabelkatze (Felis silvestris lybica).

Erste Nachweise eines Zusammenlebens finden sich vor fast 10.000 Jahren auf der Arabischen Halbinsel.
Beweise für die Domestizierung finden sich vor ca. 3.500 Jahren im Alten Ägypten.
Ebenso sind "Wildkatzen" nicht gleich Wildkatzen. Denn auch wenn Löwe, Tiger & Co. Katzenarten sind, so sind diese keine Wildkatzen. Dies wird zum Beispiel in der lateinischen Zuordnung zum Namen "Europäische Wildkatze" deutlich. Felis silvestris (Schreber, 1777)
Übersetzt bedeutet es:
-
Felis = Katze
-
silvestris = „im Wald lebend“, „wild“ bzw. „zum Wald gehörend“, abgeleitet von lateinisch silva = Wald.
Man könnte Felis silvestris daher sinngemäß als „Waldkatze“ übersetzen.
Nicht zu verwechseln mit der Afrikanischen/Falbkatze Felis lybica, von der unsere Hauskatze hauptsächlich abstammt.
Doch zurück zur Europäischen Wildkatze.
Die Eiszeiten führten dazu, dass sich die Wildkatze den kälteren Temperaturen anpassen musste. Sie zog sich in die schützenden Wälder zurück, wurde von der schlanken, hochbeinigen Steppenkatze, zu einer eher gedrungenen Waldkatze. Zu dieser Zeit prägte sich das Bild der Wildkatze mit sehr dicken Fell, kürzeren Beinen, kleineren Ohren und einem kürzeren Schwanz als ihre Verwandten aus der afrikanischen Steppe.

Im Vergleich zur umfangreichen Farbpalette unserer Hauskatzen fällt der Pelz der Wildkatze bescheidener und unscheinbarer aus.
Und auch ihre großen Verwandten sind mit Strichen, Flecken, Punkten, Pinseln und Mähnen weitaus auffälliger. Die Wildkatze hingegen trägt ihr Fell verwaschen, hin und wieder leicht getigert. Nur entlang der Wangen, der Stirn und der Schultern ziehen sich markante schwarze Linien.
Das auffälligste Merkmal der Wildkatze ist ihr dicker, buschiger und geringelter Schwanz, der am Schwanzende schwarz ist und stumpf endet.
Daran lässt sich die Wildkatze am besten von der Hauskatze unterscheiden, denn ansonsten ähneln sich die beiden Katzenarten sehr in ihrem Aussehen.
Ein weiteres markantes Fellmerkmal befindet sich an den Hinterpfoten, die bei der Wildkatze meistens nicht wie bei den meisten Hauskatzen einheitlich, sondern nur zur Hälfte schwarz gefärbt sind ( sogenannter Nehring`scher Fersenfleck ). Allerdings können auch einige Rassekatzen unter den Hauskatzen das selbe Merkmal aufweisen und manche der Wildkatzen können widerrum gänzlich schwarze Fersen haben, so dass der Fersenfleck nicht als sicheres Unterscheidungs-
-merkmal gelten kann.

( Nehring`scher Fersenfleck )

Auf dem Bild sieht man, wie das Fell der europäischen Wildkatze mit der Umgebung verschmilzt. Im Gegensatz zur oft getigerten Hauskatze, sind die Streifen bei der unscharf und nicht abgegrenzt.
Das Fell der europäischen Wildkatze hat einen ockerfarbenen bis graugelblichen Grundton. Hauskatzen erscheinen mit ihrem getigerten Fell eher blaugräulich. Wildkatzen tragen entlang ihres Rückrats bis zur Schwanzwurzel einen einzelnen, dunklen Aalstrich, der bei Hauskatzen zwar auch vorkommt, aber bei ihnen meist bis zur Schwanzspitze geht.
An ihrem Bauch findet man die Punkte und manchmal auch Streifen, wie sie eine Hauskatze oft hat. Typische weiße Flecken im Brust- und Kehlbereich oder auch auf ihren Pfoten sind durchaus nichts ungewöhnliches und lassen nicht auf eine Kreuzung mit einer Hauskatze schließen.
Die Wildkatze zeichnet ein dunkelrosaner und nie pigmentierter Nasenspiegel aus. Ihre Augen sind gelb oder grün und weisen wie bei allen Kleinkatzen Schlitzpupillen auf, welche es ihnen erlaubt, auch direkt in die Sonne zu sehen. Diese Gelegenheit nehmen sie jedoch eher selten war, da Katzen ja bekanntlicher Weise den ganzen Tag eher verschlafen und nachtaktiv sind.

Die Fortpflanzung der Europäischen Wildkatze (Felis silvestris) ist stark an den Jahresrhythmus angepasst. Besonders interessant ist, dass Wildkatzen – anders als viele Hauskatzen – normalerweise nur einmal im Jahr Nachwuchs bekommen.

Paarungszeit – die Ranz
Die Paarungszeit wird in der Jägersprache Ranzzeit genannt. Sie liegt hauptsächlich zwischen Januar und März, mit einem Schwerpunkt im Februar.
Normalerweise leben Wildkatzen einzelgängerisch. Während der Ranz suchen die Kuder – so werden männliche Wildkatzen genannt – jedoch gezielt nach paarungsbereiten Weibchen. Dabei können sie größere Strecken zurücklegen und sich auch mit anderen Katern auseinandersetzen.
Das Weibchen macht seine Paarungsbereitschaft unter anderem durch Duftmarkierungen und Rufe bemerkbar. Ein Weibchen kann sich während einer Ranzperiode mit mehreren Katern paaren.
Tragzeit und Geburt
Nach erfolgreicher Paarung beträgt die Tragzeit ungefähr 63–69 Tage. Die meisten Jungen kommen deshalb im April oder Mai zur Welt.
Für die Geburt sucht sich die Katze ein möglichst gut geschütztes Versteck. Das können beispielsweise Baumhöhlen, Felsspalten, Reisighaufen, Wurzelteller oder verlassene Baue anderer Tiere sein.
Typischerweise kommen ungefähr 2–4 Junge zur Welt; größere Würfe sind möglich.
Die kleinen Wildkatzen sind zunächst völlig auf ihre Mutter angewiesen. Sie werden blind und weitgehend hilflos geboren. Die Augen öffnen sich ungefähr nach anderthalb Wochen.
Die Mutter zieht die Jungen allein auf
Der Kuder beteiligt sich nicht an der Jungenaufzucht. Die Katze säugt, schützt und versorgt ihren Nachwuchs allein.
Mit zunehmendem Alter verlassen die Jungen das Versteck und erkunden die unmittelbare Umgebung. Besonders wichtig ist dann die Zeit, in der sie von ihrer Mutter das Jagen lernen.
Mäuse spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Mutter kann Beutetiere zu den Jungen bringen und ihnen dadurch zunehmend Gelegenheit geben, selbst Jagdverhalten zu entwickeln.
Im Herbst beginnt das eigene Leben
Während des Sommers werden die jungen Wildkatzen immer selbstständiger. Im Laufe des Spätsommers und Herbstes löst sich der Familienverband schließlich auf.
Die Jungkatzen müssen sich dann ein eigenes Gebiet suchen. Gerade diese Wanderungsphase ist gefährlich: Straßenverkehr und stark zerschnittene Lebensräume gehören zu den wichtigen Gefahren für Wildkatzen.
Hier nochmal der Jahreslauf den die Jungen bei einer europäischen Wildkatze durchlaufen:
Februar: Die Wildkatzen sind auf Partnersuche.
April/Mai: Die Jungen werden geboren.
Mai/Juni: Sie verlassen zunehmend ihr Versteck.
Sommer: Sie lernen von ihrer Mutter zu jagen.
Herbst: Die jungen Wildkatzen werden selbstständig.
Nächster Winter: Sie müssen bereits weitgehend allein zurechtkommen.
Sterblichkeitsrate bei Jungkatzen:
Die Sterblichkeit junger Europäischer Wildkatzen (Felis silvestris) ist erstaunlich hoch. Eine besonders gut dokumentierte Untersuchung aus dem Südharz ergab, dass nur etwa 24,5–25 % der Jungtiere die ersten vier Lebensmonate überlebten. Das Bundesamt für Naturschutz nennt diese Untersuchung ebenfalls in seinem Artenporträt.
Die Entwicklung sah in dieser Untersuchung ungefähr so aus:
Alter noch lebende Jungkatzen
Ende 1. Monat ca. 75 %
Ende 2. Monat ca. 53 %
Ende 3. Monat ca. 34 %
Ende 4. Monat ca. 25 %
Das bedeutet vereinfacht: Von vier geborenen Wildkatzenjungen erreichte in dieser Untersuchung im Durchschnitt nur etwa eines den fünften Lebensmonat.
Warum sterben so viele Jungkatzen?
Die gefährlichste Phase sind die ersten Lebensmonate. In der Südharz-Untersuchung waren unter den festgestellten bzw. diskutierten natürlichen Gefahren insbesondere Prädation, etwa durch Fuchs und Baummarder, sowie Krankheiten und Parasiten. Auch ungeeignete oder gestörte Verstecke können eine Rolle spielen. Das BfN weist beispielsweise darauf hin, dass ein Mangel an trockenen, warmen und vor Fressfeinden geschützten Wurfplätzen den Aufzuchterfolg verringern kann.
Später kommt eine für Wildkatzen besonders bedeutende Gefahr hinzu: der Straßenverkehr. Eine große europäische Untersuchung mit 211 besenderten Wildkatzen stellte fest, dass 83 % der registrierten jährlichen Todesfälle menschlich verursacht waren; Verkehrsunfälle machten dabei den größten Anteil aus. Diese Zahlen beziehen sich allerdings nicht speziell auf neugeborene Jungtiere.



